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Green-IT im deutschen Klimaschutz

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken. Richtwert ist dafür das Jahr 1990. Diese 40 Prozent sind für den Klimaschutz allerdings nur den Anfang. Angestrebt wird eine Reduktion von 80 bis 95 bis zum Jahr 2050. Um diese Ziele zu erreichen spielt auch das Thema „Green IT“ eine immer wichtigere Rolle. 

Während schon lange große Industrieanlagen und Atomkraftwerke zu den Klimasündern zählen, wurde die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) bislang noch nicht in diesem Kontext gesehen. Dabei verursachen sie bereits seit Jahren einen maßgeblichen Anteil an der weltweiten CO2-Emission: alleine im Jahr 2007 waren es 2,1 Milliarden Tonnen. Schuld ist ihr hoher Energieverbrauch.

Green-IT: Von der Herstellung bis zur Entsorgung

Hinzu kommt, dass bereits bei der Herstellung der meisten IT-Produkte ein hoher Energiebedarf anfällt und zudem seltene Rohstoffe gebraucht werden. Auch das Problem der Entsorgung wirkt sich negativ auf die Umweltbilanz aus: Weltweit fallen fünf Millionen Tonnen Elektroabfall mit giftigen Anteilen wie Blei, Quecksilber und Kadmium an.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Die „Green IT“ setzt dazu an beiden Punkten an. Unter "Green in der IT" versteht man die Nutzung der IKT über deren gesamten Lebenszyklus - von der Planung der Hardware über deren Produktion und Verwendung bis zur Entsorgung. Der Begriff "Green durch IT" zielt auf die Reduktion der Umweltbelastungen durch den Einsatz von IT ab.

„Aktionsplan Green IT“ 

In Deutschland widmen sich Politik und Wirtschaft diesem Thema bereits seit 2008. Damals wurde zusammen mit dem IKT-Wirtschaftsverband BITKOM der „Aktionsplan Green IT“ und die „Green IT Allianz“ ins Leben gerufen, um dem Thema mehr öffentliche Priorität zu verleihen. Daraufhin sah sich vor allem die Bundesverwaltung in Zugzwang, da der öffentliche Sektor zwischenzeitlich europaweit mit 17 Milliarden Euro pro Jahr über das größte Auftragsvolumen für IT-Beschaffungen verfügt. Als zentrales Ziel in diesem Zusammenhang wurde festgelegt, den Energieverbrauch durch den IT-Betrieb bis zum Jahr 2013 um 40 Prozent zu reduzieren.

Insgesamt schätzen Experten, dass durch direkte oder indirekte grüne ITK mehr als 200 Millionen Tonnen CO2-Emission eingespart werden können – theoretisch. Denn mit dem aktuellen Entwicklungsstand kann dieses Ziel noch nicht erreicht werden.

Rechenzentren: Energiebedarf um 75 Prozent senken

Vor allem Rechenzentren verursachen nach wie vor eine große Menge an CO2. Und die zunehmende Verbreitung des Cloud-Computings sowie der allgemein wachsende Bedarf an großen Datenmengen und schnellen Verarbeitungsgeschwindigkeiten verschärfen dieses Problem zusätzlich. Allerdings verstärken das Datenwachstum und die steigende Zahl an Endgeräte bei gleichzeitig höheren Energiekosten den Kostendruck im IT-Bereich, so dass hier ein wirkliches Interesse an einer Modernisierung besteht.

Dabei könnten nach Schätzungen der deutschen Energieagentur durch energieeffiziente Technik insgesamt bis zu 75 Prozent des Stromverbrauchs von IT-Anlagen eingespart werden. Etwa indem man die Zahl der Server reduziert, ihre Kapazitäten besser auslastet oder heterogene Systeme zusammenführt. Weitere Energie lässt sich außerdem sparen, wenn die Kühlsysteme der Serverräume optimiert werden.

Es fehlt an klaren Vorgaben und Maßnahmen

Ein größeres Potential birgt jedoch der indirekte Einsatz von IT-Lösungen zur Vermeidung bzw. Verringerung von Emissionen – also dem „Green durch IT“. So können durch den Einsatz intelligenter Gebäudemanagementsysteme Heiz – und Stromkosten gespart werden, Last- und Kapazitätsmanagement von Stromanbietern helfen dabei Energie effizienter zu speichern, zu verteilen und zu nutzen und auch intelligente Verkehrsleitsysteme können die CO2-Emission verringern.

Doch trotz der inzwischen breiten Unterstützung für das Konzept der „Green IT“ gibt es immer noch kritische Stimmen die an der Rentabilität zweifeln. Noch fehle es an klaren Vorgaben und aufeinander abgestimmter Maßnahmen, um wirkliche Erfolge zu erzielen – so die Kritik. So ist es beispielsweise erforderlich, beim Energiesparen durch grüne IT auch auf ihre Herstellung zu achten. Werden die Produkte nicht ressourcensparend und nachhaltig erzeugt, dann kompensiert die Zunahme der Daten- und Gerätemengen die positive Wirkung des Energiesparens.

Um wirkliche Effekte zu erzielen ist es daher wichtig, einheitliche Standards und Zertifikate für „Green IT“ zu etablieren. Noch gibt es eine Vielzahl dieser Kennzeichnungen. Und wie bereits erwähnt ist ein Produkt nicht zwangsweise grün, wenn es beim Energiesparen hilft. Dazu muss der gesamte Lebenszyklus bis hin zur Entsorgung berücksichtigt werden. Auch muss der Schritt von Einzelmaßnahmen zu umfassenden Änderungen in der gesamten Unternehmens- und IT-Strategie geschafft werden, um nachhaltig etwas zu ändern. Und dafür sind Politik und Wirtschaft in gleichem Maße gefragt.

Autor: MBR